Faces and portraits

Give Diverse Voices a Stage: Frauen im Handel

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Give Diverse Voices a Stage: Frauen im Handel

Jedes Jahr erinnert uns der Weltfrauentag daran, dass unterschiedliche Perspektiven, offene Gespräche und einander Zuhören mehr sind als bloße Werte – sie beflügeln gute Entscheidungen und unternehmerischen Erfolg. Bei unserer diesjährigen Initiative „Give Diverse Voices a Stage“ waren alle Frauen bei der NKG eingeladen, sich als Vertreterinnen der NKG auf der Women in Tea & Coffee Conference in London zu bewerben. Insgesamt 28 Kolleginnen brachten ihre Erfahrungen, Ideen und Beiträge ein.

Das zeigte uns zwei Dinge: Es gibt einerseits noch Luft nach oben, andererseits prägen viele dieser Stimmen bereits unseren Alltag. Besonders im Handel, unserem Kerngeschäft, sind sie aber noch nicht so laut hörbar. Wir haben mit Agnieszka Thieleke, Senior Trader bei Bernhard Rothfos, und Victoria Kigo, Junior Trader bei Ibero Uganda, gesprochen, deren Blickwinkel das Thema Handel für uns – aus ihrer Sicht als Exporteurin bzw. Importeurin – zum Leben erwecken.

Das ist Agnes

Für Agnes ist der Handel mit Kaffee mehr als nur ein Beruf: er ist ihre Leidenschaft. Die Arbeit mit Menschen – besonders mit den Produzentinnen und Produzenten – und die Reisen in die Anbaugebiete haben den Kaffee für sie zu einer absoluten Herzensangelegenheit gemacht. Seit ihrer Ausbildung wusste Agnes, dass sie einmal im Handel arbeiten wollte. Sie startete zunächst im Futures-Handel und als sie dann die Chance bekam, vollständig in den Handel zu wechseln, war ihr direkt klar, dass sie hier genau richtig ist. Vor 10 Jahren begann sie bei der NKG im Spezialitätensegment bei InterAmerican Coffee und wechselte erst Anfang des Jahres zu Bernhard Rothfos.

„Wenn man seine Emotionen im Griff hat, kann man sie als Stärke im Handel nutzen. Situationen, Menschen und Dynamiken einschätzen und sich auf seinen Instinkt verlassen zu können, kann einen großen Unterschied machen.“

„Schrecke nicht davor zurück, manchmal ein bisschen hartnäckig zu sein. Man muss sich nicht immer zurückhalten oder auf den perfekten Moment warten. Wenn dir das Produkt wirklich am Herzen liegt, trau dich!“

Agnieszka Thieleke

Womit handelst du und wie würdest du deine Rolle jemandem außerhalb der Welt des Kaffeehandels beschreiben?

Agnes:
Ich handle mit Rohkaffee, einem Naturerzeugnis, das schon an sich sehr komplex ist. Ich bin hauptsächlich für den Verkauf zuständig, betreue Key-Accounts und stehe im engen Austausch mit den Teams aus Einkauf, Qualität und Logistik. Außerdem kümmere ich mich um die Beschaffung aus Peru bei bestimmten Projekten sowie die gesamte Beschaffung aus Peru für unsere Schwesterfirma InterAmerican Coffee.

Victoria:
Ich bin Kaffeehändlerin mit Hauptfokus auf Arabica. Ich bin zuständig für die Beschaffung, die Qualität sowie das Risikomanagement und stelle gleichzeitig sicher, dass unsere Kundinnen und Kunden hinsichtlich Preis, Qualität und Pünktlichkeit bei der Auslieferung zufrieden sind.

Auch wenn sich ihre Rollen unterscheiden, beschreiben beide Frauen Risiken und Herausforderungen auf sehr ähnliche Weise: als eng miteinander verflochten. Neben konkreten Themen wie Preisvolatilität, Zeitmanagement, Qualität und Compliance beschäftigen sie im Handel auch die Geopolitik, der Klimawandel und selbst Gerüchte, die den Markt in Bewegung setzen können.

Gibt es etwas an deinem Job, von dem du dir wünschst, die Export-/Importunternehmen würden es besser verstehen?

Agnes:
Beim Handel geht es nicht nur um das Jonglieren mit Zahlen. Wir stehen immer unter Druck, Entscheidungen müssen getroffen werden und wir müssen uns mit Dingen beschäftigen, die oft nicht in unserer Macht stehen. Gleichzeitig sind wir als Teil der Lieferkette alle voneinander abhängig. Wenn hier das gegenseitige Vertrauen fehlt, funktioniert das ganze System nicht.

Victoria:
Ja. Im Kaffeehandel muss man flexibel bleiben, weil es Faktoren gibt, die wir nicht beeinflussen können, wie Verzögerungen bei der Ernte oder Lagerbestände, die von den Bäuerinnen und Bauern oder von den Händlerinnen und Händlern zurückgehalten werden, was sich auf die Lieferzeiten auswirken kann.

Das ist Victoria

Victoria begann ihre Karriere als Trade Administrator und war fasziniert von der Reise des Kaffees von der Plantage bis in die Tasse. In ihren fünf Jahren bei der NKG – zunächst bei Ibero Kenya, dann bei Ibero Uganda – entwickelte sie mit der Zeit ein Interesse am Handel, weil sie mitbekam, wie sich die Händler über Marktbewegungen, Preisentscheidungen und Risikomangement austauschten.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich die erste weibliche Händlerin in Ostafrika werden würde. Das Handelsteam bestand praktisch nur aus Männern, was mich noch mehr motiviert hat, mich in den Handel einzuarbeiten und für alle Frauen zu stehen, die ähnliche Positionen anstreben.“

„Mein Rat an andere Frauen, die sich für diese Laufbahn interessieren, ist ganz einfach: Habt keine Angst, euch zu zeigen und eurer Stimme Gehör zu verschaffen.“

Victoria Kigo

Wenn du einen Stereotyp über Frauen im Handel ändern könntest, welcher wäre das?

Agnes:
Dass Frauen weniger taff sind oder Druck schlechter standhalten. Das stimmt einfach nicht. Ehrlich gesagt nehme ich es im Tagesgeschäft oft andersherum wahr. Es gibt auch Studien, die zeigen, wie wichtig Diversität ist. Ich bin überzeugt davon, dass Leidenschaft, Intuition und ein bisschen Herz einen nicht schwächer machen, sondern im Gegenteil dabei helfen, starke und manchmal bessere Entscheidungen zu treffen – besonders im Handel.

Victoria:
Dass sich Frauen aufgrund der Verantwortung und der zeitlichen Anforderungen nicht für eine Rolle im Handel eignen. Handelskompetenz definiert sich nicht durch das Geschlecht, sondern durch Fachkenntnis, Disziplin und die richtige Einstellung.

Meine Vorgesetzten waren für mich wichtige Mentoren und haben mich vom Erstellen der ersten E-Mail-Entwürfe bis zu selbstbewussten, unabhängigen Handelsentscheidungen auf meinem Weg begleitet.

Was würdest du gern für Frauen im Handel verändern?

Victoria:
Ich würde gern mehr Flexibilität sehen, die es Frauen ermöglicht, einen Vollzeitjob gut mit ihrem Privatleben zu vereinbaren.

Wenn du an den Beginn deiner Karriere zurückdenkst, was fühlt sich heute anders an in Bezug auf die Kultur und Zusammenarbeit bei der NKG – und ist diese Veränderung auch im Handel spürbar, besonders für Frauen?

Agnes:
Die Veränderung ist real und man kann sie deutlich sehen. Als ich im Kaffeehandel begann, war er noch stark von Männern dominiert. Heute, 26 Jahre später, gibt es so viele starke Frauen – im Einkauf, im Verkauf und auf Events. Auch bei der NKG hat sich viel getan: Es gibt mehr Frauen in Führungspositionen und im Handel; sie sind sichtbarer, auch auf Board-Level. Was mich persönlich besonders inspiriert, ist die wachsende Zahl von Frauen im Handel in den Ursprungsregionen. Letztes Jahr habe ich frauengeführte Plantagen in Peru besucht und es war faszinierend zu sehen, wie selbstbewusst die Frauen alles managen. Das hat einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen.

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